Ich wollte euch heute mal meine Toolchain zum Entschlüsseln, Rippen und Kodieren von DVDs unter Mac OS X vorstellen. Leider braucht ihr hierfür entweder einen Mac mit Intel-Prozessor und Mac OS bis max. Version 10.6.x, da ihr Rosetta braucht.
Warum kein PowerPC-Mac? Nun, technisch wäre es möglich, aber das Kodieren wäre painfully slow, und zudem gibt es moderne HandBrake-Versionen nur noch für Intel. Wer PowerPC- und Intel-Macs hat, ist fein raus. Dann könnt ihr sogar 10.7 und höher auf dem Intel installiert haben, da ihr Schritt 1 auf dem PowerPC ausführen könnt.
(Das hier wird ein längerer Artikel, weil ich hier wirklich jeden einzelnen Schritt durchgehen werde mit den von mir getesteten Einstellungen und Flags. Ergebnisse können bei euch variieren.)
Das erste Tool heißt osex (oder 0sex oder 0SEx) und dient alleine der Entschlüsselung der DVD-Streams. Leider läuft es nur auf PowerPCs oder Rosetta. Andere Tools habe ich bisher noch nicht probiert oder gefunden, die wird es aber auch geben.
Die Entwicklung wurde leider eingestellt, aber auf diversen Mirrors könnt ihr es noch runterladen.

Side Note: in einigen Fällen könnt ihr auch noch die DVDs mit HandBrake selber entschlüsseln. Das habe ich auch oft gemacht, bis ich mein DVD-Laufwerk auf RPC-1 gestellt, d.h. die Regionalsperre entfernt, habe. Außerdem ließen sich davor schon manche DVDs nicht so entschlüsseln, und so musste ich ohnehin nach einem Entschlüsseler suchen.
Ihr bekommt per Default eine VOB-Datei ohne Kapitel zurück. Tipps: deaktiviert alle Untertitelspuren (Sub), denn die werden ins Video gebrannt. DVDs haben keine Closed Caption-Untertitel, sondern Subtitle-Bitmaps. Und die werden halt beim Kodieren eingebrannt oder zurückgelassen. Solltet ihr z.B. bei Star Wars unbedingt eine Untertitelspur brauchen, müsst ihr deren ID rausfinden und nur die dann anwählen.
Es ist möglich, mehrere Tonspuren (Aud) in die Datei zu packen, aber die verlieren dabei ihre Sprach-IDs. Ihr habt dann statt EN und DE nur Tonspur 1 und Tonspur 2.
Außerdem: guckt, ob in der Kapitel-Auswahl (Ch) ganz am Ende ein Kapitel von unter einer Sekunde steht. Das könnt ihr getrost weglassen. Zumindest mache ich das immer.
(Früher war das mal wichtiger, als ich meine Serien noch mit VLC kodiert habe. Wenn man da nicht das letzte Kapitel verboten hat, sprang VLC ins Menü zurück und whoops, die Episode war weg und mit dem Menü überschrieben. Passiert aber bei osex nicht mehr. Garantiert.)
Die VOB wird zwischen 800–900 Megabyte (The IT Crowd und Futurama, je ca. 23 Minuten/Episode) und 1.7–2.4 Gigabyte (Navy CIS und The Pacific, je ca. 43 Minuten/Episode) liegen. Spielfilme liegen bei 5–7 Gigabyte. Einmal eine Episode stellenweise in VLC anschauen kann nicht schaden, um zu gucken, ob die Datei in Ordnung ist.
Sobald die DVD entschlüsselt und die VOB geschrieben ist (dauert in der Regel nur ein paar Minuten), könnt ihr entweder die einzelne Datei oder gleich einen ganzen Ordner Dateien HandBrake zum Fraß vorwerfen.
HandBrake ist ein absolut genialer Encoder. Um zu Apple-Geräten kompatibel zu sein, müsst ihr eine MP4-Datei mit x264 erstellen. Das ist auch der Default für HandBrake, da müsst ihr also nicht so viel schrauben. Mit MKV und anderen lustigen Einstellungen (ffmpeg und so) habe ich noch nie wirklich experimentiert.
Da wir hier in Deutschland PAL verwenden (Region 2), ist die Standard-Auflösung für DVDs 576i/p, also 720×576 Pixel für 4:3 und ca. 1024×576 für 16:9. HandBrake macht einen guten Job mit der Erkennung von schwarzen Rändern, also könnt ihr das Cropping in aller Regel in Ruhe lassen. Für die Bildgröße solltet ihr Anamorphic Strict oder Loose verwenden. Nutzt auf jeden Fall die Bildvorschau, damit nichts z.B. verzerrt aussieht. (Die Bildeinstellungen findet ihr unter Picture Settings.)
Sollte das Material interlaced sein (verschränkte Halbbilder) oder combed (der kleine Bruder von Interlacing, beide hässlich und unschwer in der Vorschau zu erkennen), müsst ihr es de-interlacen oder entkämmen. Die Filter findet ihr in dem entsprechenden Tab. Macht jedes Mal eine kleinen Test-Encode (15s reicht meist).
So sieht das übrigens aus, wenn man Filme mit Interlacing noch mal interlacet (interlaceception *hrr*):

Im Tab Video solltet ihr die Framerate auf “Same as Source” stellen, mit variabler Framerate. Zudem Constant Quality mit einem CQ-Faktor von 21 bis 19 (kleinerer CQ = höhere Qualität und größere Kodierzeit). 20 sollte in aller Regel ausreichen.
Unter Audio braucht ihr nichts ändern. Wenn ihr zwei oder mehr Audiospuren ausgewählt habt, müsst ihr natürlich alle Spuren nacheinander hinzufügen. Wie gesagt, es fehlt die Info über die Spur-Sprache.
An den Untertiteln könnt ihr jetzt nicht mehr viel schrauben, außer ihr habt eine SRT-Datei (SubRip-Datei, für Closed Captions bzw. Soft Subtitles; die kann man ein- und abschalten, im Gegensatz zu den eingebrannten Spuren).
Für Kapitel ist es jetzt ebenfalls zu spät, da alle Spuren von osex zu einem durchgängigen Track vermischt werden. Wenn ihr Glück habt, könnt ihr eventuell später noch was an den Titeln ändern.
Und jetzt geht es an die erweiterten Videoeinstellungen (was ein Spaß!).
Erstes Thema: Reference Frames und B-Frames. Die Anzahl der Ref.-Frames ist davon abhängig, welches Level das Zielgerät unterstützt. Dazu müsst ihr in die technischen Infos des Gerätes gucken; einfach googeln. Die meisten modernen Geräte unterstützen Level 3.1 oder sogar 4.1 oder neuer. Eine Übersicht der Levels inkl. der max. zulässigen Ref.-Frames in Abhängigkeit der Bildgröße findet sich in der englischen Wikipedia. Bei Level 3.1 sind für PAL-Material immerhin 11 Frames erlaubt, was schon ganz ordentlich ist.
Bei den B-Frames könnt ihr 8 nehmen, das ist ein ganz guter Wert. Bei beiden Einstellungen gilt aber: je höher, desto mehr Rechenkraft ist von Nöten.
CABAC Entropy, 8×8 Transform und Weighted P-Frames solltet ihr auf jeden Fall anstellen, die Pyramidal B-Frames könnt ihr auf Default lassen.
Adaptive B-Frames: Optimal, Adaptive Direct Mode: Default.
Wenn ihr einen stärkeren Prozessor habt, könnt ihr die Motion Estimation Method auf Uneven Multi-Hexagon stellen, ansonsten ist Hexagon aber ausreichend. Alles darüber ist nur noch Brute Force und unnötig für normale Filme.
Subpixel ME könnt ihr auf 7 oder 8 stellen, wenn ihr mehr Zeit habt auch 9 oder 10. Je mehr, desto besser. Aber auch desto aufwendiger. Die Motion Estimation Range könnt ihr beliebig hoch setzen, aber 16–24 reichen meist.
Partition Type solltet ihr auf All setzen, das braucht nicht so viel zusätzliche Rechenkraft. Trellis könnt ihr auf Always oder Encode only setzen, aber was die Option genau tut, weiß ich selber nicht. Wird auf jeden Fall so empfohlen.
Deblocking und die zwei oder drei Slider unten könnt ihr in der Regel so lassen, mit denen arbeite ich selber nicht wirklich. Wenn das fertige Bild blockig ist (also stellenweise extrem pixelig), solltet ihr eher den globalen Deblocker verwenden (zu finden bei den Videofiltern).
Hier ein Beispiel für einen Film mit deaktiviertem Deblocker (bzw. lohnt es sich für eine einzelne Szene nicht, den anzustellen):

Jetzt wird es Zeit für einen weiteren Test-Encode. Wenn der gut läuft und die Framerate im akzeptablen Bereich liegt (Durchschnitt von 20 bis 25 fps oder besser), dann heißt es: kodieren! Das dauert jetzt. Bei 25 fps im Durchschnitt entspricht eine Minute Kodierzeit einer Minute Film. Der ETA ist nach ca. 15% recht gut.
Wenn ihr einen Ordner importiert habt und die gleichen Einstellungen für alle Titel verwenden wollt, könnt ihr das per File > Add All Titles to Queue… tun. Besonders für Serien praktisch.

Und irgendwann macht es “plonk”, HandBrake hüpft ganz aufgeregt im Dock, und die Datei ist fertig. Schaut mal durch, wenn das Ergebnis gut ist, dann geht es weiter! (Wenn nicht, dann war der Encoder-Lauf für die Tonne. Aber das ist mir bei über 200 Encodes noch nie passiert und sollte auch nicht passieren.)
Als nächstes kommt MetaZ. Das ist eine verbesserte Version von MetaX, dessen Entwicklung eingestellt worden ist. Öffnet die Datei, sucht rechts nach dem Titel des Films und schaut die Ergebnisse durch. Die Datenbank ist gut gefüllt, wie ich finde. Sollten Infos falsch sein, könnt ihr die Werte auch ändern. Die FSK-Einstufungen müsst ihr erst in den Einstellungen aktivieren (General > Show ratings from: > DE).
Alles, was ihr schreiben wollt, müsst ihr ankreuzen. Hier ein Beispiel:

Wenn ihr Glück habt, könnt ihr hier auch die Kapitelinformationen nachbearbeiten. Einfach mal schauen. Und zur Not… naja, müsst ihr leider ohne Kapitel auskommen.

Besonders für Serien sehr praktisch ist die Funktion, komplette Daten statt Jahren anzugeben (Format TT.MM.JJJJ). iTunes rechnet dann sogar den Wochentag aus und die Infos erscheinen dann links neben der Episode, siehe auch Screenshot unten.
Übrigens kann auch MetaZ Dateien stapelweise bearbeiten. Ihr müsst nur manuell für jede Datei die Metadaten festlegen, und dann ab dafür.
Für Film-Cover gibt es eigentlich keine bessere Quelle als iTunes, wie ich finde. Alle anderen verwenden die DVD-Covers selber, die teilweise lästigen Text oder Werbung haben. Leider gibt es hierfür keine offizielle Methode aus iTunes heraus, wie etwa bei Musik. Abhilfe schafft eine Webseite namens iTunes TV & Movie Artwork. Sucht nach dem Film, ändert ggf. das Land (z.B. gibt es NCIS nicht im deutschen Store, wohl aber im amerikanischen) und schaut in den Ergebnissen nach. Wenn es den Film auf iTunes gibt, findet ihr das Cover hier.
Andernfalls bleiben euch die Google Bildersuche und diverse Webseiten, die sich nach einer einfachen Google-Suche prima finden lassen.
Sobald MetaX die Datei geschrieben hat, könnt ihr sie in iTunes importieren. Da alle Metadaten schon geschrieben sind, inklusive dem Cover, müsst ihr nichts mehr ändern. Für 650 Megabyte braucht MetaX bei mir etwa 30 Sekunden (der Film liegt aber auch auf einer USB 2.0-Platte), für 1GB etwa eine Minute.
Und so sieht das Ergebnis dann für Filme aus (The Social Network):

Gleich viel schöner als immer nur die automatisch generierten Vorschau-Frames:

Und so sieht das für Serien aus (die Übersicht als auch eine Staffel mit erweiterten Metadaten):


Ja, das war jetzt ein langer Artikel. Ich habe mal nachgeschaut, mit knapp 1.600 Wörtern und 10 Bildern ist es sogar der längste bisher.
Ich hoffe, die Infos hier helfen euch beim Kodieren eurer Filme.
Über die Legalität hiervon müsst ihr euch selber informieren, das hängt nämlich davon ab, wo ihr wohnt. Ich kann, da ich kein Anwalt bin, keine Rechtsberatung geben.
Also dann, viel Spaß beim Gucken eurer Filme!